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Schweden pur – Von See zu See mit Knubbel

Keine Sehenswürdigkeiten, keine Attraktionen, nichts Spektakuläres. Und doch war es für mich der schönste Urlaub überhaupt. Wir sind von See zu See gefahren, haben die Natur aufgesogen, das Leben genossen, gut gegessen, gelesen und einfach nur gewesen. Es gibt also keine klassischen “Touristen-Tipps”, sondern einfach einen Einblick in eine Reise voller Ruhe, Wald und Wasser.

Ein lang gehegter Traum wurde wahr: Ich bin mit meinem Wohnmobil “Knubbel” durch Schweden gereist. Ursprünglich wollte eine Freundin mitkommen, doch als sie absagte, sprang mein jüngster Sohn begeistert ein – und so starteten wir unser kleines Abenteuer zu zweit.

Schon seit Jahren träumte ich von einem Urlaub in Schweden, am liebsten mit der ganzen Familie – Eltern, Kinder, Hund – in einem klassischen Schwedenhaus direkt am See. Damals ließ sich nichts Passendes finden. Diesmal war es anders. Zwar haben wir nicht in einem dieser Häuschen gewohnt, aber wir haben sie gesehen – so viele! Eins schöner als das andere. Ich war im Himmel.

Ein holpriger Start und die erste Nacht in Schweden

Die Anreise war direkt spannend. Bei einem kurzen Zwischenstopp zum Essen sprang Knubbel nicht mehr an – sagte keinen Ton. Zum Glück wusste ich: Anschieben hilft. Mein starker Sohn und ein netter Mann vor Ort brachten ihn wieder in Gang. Trotzdem: Der Gedanke, sowas allein zu erleben, ist nicht ganz ohne…

In Travemünde verbrachten wir die Nacht mit anderen WoMos und LKWs am Straßenrand, bevor es morgens endlich auf die Fähre ging. An Bord suchten wir uns ein gemütliches Plätzchen, schauten Filme, daddelten ein wenig – ganz entspannt. Angekommen in Schweden, steuerten wir den ersten empfohlenen Parkplatz an, nur wenige Meter vom Meer entfernt. Die Ostsee roch allerdings unangenehm, und der Strand war voller Algen. Zum Baden war’s noch zu frisch – aber für einen ersten Spaziergang wunderbar.

Frei und ohne Plan durchs schwedische Inland

Ich hatte keine feste Route geplant. Nur so eine Idee: vielleicht die Küste entlang, über Vimmerby zurück. Letztlich zog es mich direkt ins Inland, an einen See. Und das war genau richtig.

Der Stellplatz in Olstorp war ein kleines Träumchen: direkt am See, ruhig, mit Wanderwegen durch den Wald. Ich habe dort viele Baumperlen gesammelt – ideal für neuen Naturschmuck. Abends saßen wir am Wasser, ließen die Seele baumeln, und ich hatte das Gefühl, sofort angekommen zu sein. Schweden macht das irgendwie leicht.

Was wir schnell merkten: Wir würden keine einzige Nacht ohne deutsche Nachbarn verbringen. Gespräche? Hätten sich leicht ergeben. Aber ich wollte einfach meine Ruhe – und genau die habe ich mir genommen.

Privat, wild, wunderschön

Weiter ging es über die App “Eremit” zu einem privaten Stellplatz in Skogslugn, vermietet von deutschen Auswanderern. Ein Traum: Wald, Ruhe, ein zauberhaftes Schwedenhaus, und sehr hilfsbereite Gastgeber. Leider spielte das Wetter nicht mit – es regnete oft. Aber Knubbel ist von innen so gemütlich, dass es kaum störte. Als wir unser Klo leeren und Wasser auffüllen mussten, wurde ich wieder daran erinnert, wie unkompliziert das in Schweden ist. Trinkwasser? Überall.

Seenliebe

In Julebadet fanden wir unseren wohl schönsten Stellplatz. Ruhe, Wald, perfekte Badestelle – ich bin sogar in den See gesprungen. Für mich als Frostbeule war das keine Selbstverständlichkeit. 18 Grad draußen, aber das Wasser: herrlich. Ich hatte Blut geleckt.

In Pauliström war es deutlich voller. Viele Einheimische kamen zum Baden, was den Platz lebendig, aber für mich fast etwas zu wuselig machte. Trotzdem: Der See war himmlisch, das Wasser weich wie Seide, und ich war bestimmt vier Mal drin.

Dann fuhren wir weiter in den Wald bei Stora Hammarsjö – ein stiller, abgelegener Ort, perfekt zum Runterkommen. Leider erreichte mich dort eine traurige Nachricht: Eine liebe Freundin war gestorben. Das traf mich tief. Ich telefonierte lange mit meiner Mutter und meinem Cousin. Reden half – ein wenig.

Auf Astrid Lindgrens Spuren – oder auch nicht

Wir fuhren weiter Richtung Vimmerby, wollten zumindest durch die Orte streifen. Doch so richtig romantisch fand ich Vimmerby nicht – da hatte ich mir mehr erhofft. In Bullerbü hingegen genossen wir Kaffee und Kuchen – das war wirklich süß und erinnerte mich an meine Kindheit. Eigentlich hatte ich überlegt, auch Öland einen Besuch abzustatten. Doch das Meer reizte mich einfach nicht – ich wollte lieber weiter am See bleiben. Diese Entscheidung habe ich keine Sekunde bereut.

Abenteuerliche Wege, klare Seen

In Högsby landeten wir auf einem winzigen Platz direkt an der Straße – mit einem steilen Anfahrtsweg, bei dem ich mir kurz Sorgen machte, ob wir da je wieder rauskommen. Doch es lohnte sich. Ich sprang in den See (wieder wunderbar!) und lernte zwei nette Osnabrücker kennen. Kurzer Schnack, kein Aufdrängen – genau mein Ding.

Tingsryd war nochmal ein kleines Abenteuer: zwei Plätze angefahren – beide Mist. Dann ein Waldweg mit Schlaglöchern, Rückwärtsfahrt, Nerven am Limit. Aber schließlich fanden wir einen See mit großem Parkplatz, Liegewiese und perfektem Einstieg. Ich war im Wasser, hab mich gesonnt, gekocht, gelesen – zwei Tage purer Genuss.

Abschied in Sjöbo

Die letzte Station war Sjöbo. Nochmal alles aufgefüllt, entleert, eingekauft – inklusive schwedischer Leckereien. Dann standen wir mitten im Wald. Es war ruhig, die Nacht angenehm. Schwimmen fiel wegen totem Fisch am Ufer aus – muss ja nicht sein.

Zum Abschluss fuhren wir zurück an den Parkplatz am Meer, wo alles begann. Die Ostsee roch noch immer streng, der Strand war algig. Wir sammelten ein paar Steine, ich pflegte mich mit Serie, Öl und Häkelnadel. So ein schöner Abschluss. Irgendwie wollte ich nach Hause – und doch nicht.

Danke, Schweden! Für deine Schönheit, deine Natur, deine Ruhe, deine Stimmung, deine Schwingung und für diesen unvergesslichen Urlaub.

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