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Die RAUHNÄCHTE und die Wintersonnenwende

Als meine Kinder noch klein waren, habe ich das Weihnachtsfest sehr bewusst zelebriert. In der Vorweihnachtszeit haben wir Adventsgeschichten gelesen, Plätzchen gebacken und den Baum erst an Heiligabend geschmückt. Zur Bescherung war er dann das große Highlight. Die Familie kam zu Besuch – es waren schöne, aber auch anstrengende Feiertage.

Mit den Jahren nahm die Geschenkeflut immer mehr zu. Die Jungs wurden älter, und plötzlich ging es eigentlich nur noch um Geschenke. Der Wunschzettel lag bei Amazon, nach der Bescherung war irgendwie Schluss. Mir verging nach und nach die Freude daran. Weihnachten fühlte sich nicht mehr stimmig an, sondern eher wie eine Pflichtveranstaltung.

Nachdem ich einen großen Schritt in meinem Privatleben gegangen war und mich aus einer äußerst toxischen Beziehung befreit hatte, konnte ich endlich anfangen, das zu leben, was mir wirklich entsprach.

Ich richtete mich wieder an den Jahreskreisfesten aus, an den Mondphasen, und begann, der Natur bewusster zuzuhören. Dafür hatte ich schon immer eine Affinität, die lange keinen Raum haben durfte. Ich tauchte immer tiefer ein, las viel, nahm mir aus der Literatur das mit, was sich für mich richtig anfühlte – ganz ohne starre Vorgaben. Auf meine eigene Art. Und so zogen auch die RAUHNÄCHTE in mein Leben ein.

Dabei ging es mir nie primär um die bekannten 13 Wünsche. Viel wichtiger war mir die Rückschau in den Sperrnächten – auch Dunkelnächte genannt – und die bewusste Ausrichtung auf das neue Jahr während der RAUHNÄCHTE. Ich fühlte mich sehr viel stärker verbunden mit dem Feiern der Rückkehr des Lichts zur Wintersonnenwende als mit der Geburt eines Kindes, zu dessen Geschichte ich nie einen Bezug hatte. Zumal diese Geburt historisch gesehen auch nicht am 24. Dezember stattgefunden hat.

Die christlichen Feiertage wurden einst auf heidnische Feste gelegt, weil diese nicht aufgegeben werden wollten. Wie dem auch sei: Jeder darf glauben, was er möchte – und feiern, was sich für ihn richtig anfühlt.

Ich liebe diese Dunkelzeit. Ich mache es mir gemütlich, fahre bewusst herunter und höre in mich hinein. Es geht mir um Rückzug, um Neuausrichtung und darum, mir klarer zu werden, was ich im kommenden Jahr erleben möchte – ganz ohne Druck, eher als leise innere Ausrichtung.

Etwa vier Wochen vor der Wintersonnenwende binde oder gestalte ich meinen Julkranz mit vier roten Kerzen. Jede Woche brennt eine Kerze weniger, um das schwindende Licht darzustellen. Am 8. Dezember beginnen für mich die Sperr- oder Dunkelnächte. Jede Nacht steht für einen Monat des vergangenen Jahres. Ich schreibe mir zu jedem Monat einen kurzen Rückblick, lasse ihn noch einmal Revue passieren und tauche bewusst in diese Zeit ein. Meist halte ich das alles in meinem RAUHNACHTSBUCH fest.

Nach jedem Monatsrückblick schreibe ich auf einen Zettel, wofür ich in diesem Monat dankbar war. Manchmal nehme ich auch mit hinein, was sich schwer angefühlt hat, und verbrenne den Zettel anschließend auf meiner Mondharfe. So schließe ich den Monat bewusst ab. Das mache ich mit allen Monaten – bis zur Wintersonnenwende.

An diesem Tag sitze ich zunächst ganz bewusst im Dunkeln. Es ist der kürzeste Tag und die längste Nacht. Von nun an werden die Tage wieder länger, das Licht wird neu geboren. Ich entzünde mit der alten Jahreskreiskerze die neue – jene Kerze, die mich durch das kommende Jahr zu allen Jahreskreisfesten begleiten wird.

Für mich beginnen in der Nacht der Wintersonnenwende auch die RAUHNÄCHTE. Ab diesem Moment kehrt das Licht zurück – wenn auch zunächst nur um Sekunden. Manche beginnen erst an Weihnachten damit, doch da werden die Tage noch nicht merklich länger. Warum also warten?

Jede RAUHNACHT steht für einen Monat des neuen Jahres. Ich ziehe dazu gerne Orakelkarten, Runen, Krafttiere oder arbeite mit Heilsteinen. Diese Impulse begleiten mich dann symbolisch durch den jeweiligen Monat. Und ja – ganz ehrlich: Spätestens ab April habe ich vieles davon wieder vergessen. Aber darum geht es mir auch gar nicht.

Ich liebe die Abende, an denen ich mich bewusst mit den kommenden Monaten beschäftige, mein Leben ausrichte, überdenke, nachspüre. Vielleicht ein wenig wie gute Vorsätze – nur sanfter, ehrlicher und näher bei mir.

Die Wintersonnenwende ist für mich der eigentliche Neubeginn des Jahres. Mit dem Licht geht es wieder bergauf, die Hoffnung auf den Frühling wächst, und man beginnt, der helleren Zeit entgegenzufiebern. Diese Zyklen orientieren sich an Mond und Natur – und eigentlich auch an uns selbst. Leider haben wir verlernt, unser Leben danach auszurichten, obwohl es unserem inneren Rhythmus viel näher käme.

Mit Silvester kann ich daher wenig anfangen. Es ist für mich ein rein kalendarisches Fest, einst von Julius Caesar und Papst Innozenz festgelegt – ohne wirklichen Bezug zur Natur.

Als Naturmensch fühlen sich die alten Traditionen und Feste für mich einfach stimmiger an. Sie werden im Einklang mit der Natur gefeiert. Und genau das liebe ich so sehr daran.

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